News Tigermücken: Die lästigen Quälgeister erobern die Stadt Zürich
Früher hiess es noch «Übere Gotthard flüget Bräme» – heute fahren die faulen Tigermücken per Anhalter mit.

(Bild: iStock)
Im Tessin ist die Tigermücke schon eine alte Bekannte. In Autopneus soll sie den Weg von Asien nach Europa gefunden haben und in den 90er Jahren per Schiff in Italien angekommen sein. Ab 2000 hat sie sich auch in der Südschweiz breit gemacht. Mittlerweile haben sich die Bevölkerung und die Behörden mit dem Fremdling soweit arrangiert.
In Zürich wurden Tigermücken bereits 2016 am Carpark neben dem Hauptbahnhof gesichtet. Vergangenes Jahr sind sie schliesslich in Zürich-Wollishofen angekommen, wo sie offenbar den Winter überlebt haben. Nun stehen die Mücken bei der zuständigen städtischen Behörde unter Beobachtung. Demnach wurden nach Angabe der Schädlingsprävention und -beratung dieses Jahr 13 ausgewachsene Exemplare und 220 Eier in Wollishofen gefunden. Die Eier sowie die ausgewachsenen Mücken werden mittels „Monitoring“ mit Fallen aufgespürt und mittels biologischen Wirkstoffes bekämpft.
Die Ankunft des Fremdlings in Zürich hat in der Bevölkerung doch zu einer gewissen Unruhe geführt, weil die Tigermücke im Stande wäre, verschiedene gefährliche und unerwünschte Viren zu übertragen. So lösen allein schon Funde von einzelnen Exemplaren Besorgnis und Betroffenheit aus, obwohl in der Schweiz keine Fälle von Übertragung von Krankheiten durch die Tigermücke bekannt sind und die Mücke nur gut 100 Meter weit fliegen kann.
Entspannter Umgang in der Südschweiz
Für den Umgang und die Bekämpfung der Mücke macht die Südschweiz entspannt, jedoch auch konsequent vor, wie vernünftig mit ihr umgegangen werden kann, wobei auf eine langjährige Erfahrung mit deren Bekämpfung zurückgegriffen werden kann. Gewisse Gemeinden im Tessin schreiben der Bevölkerung unter Androhung von Bussen im Falle der Widerhandlung die wichtigsten Massnahmen vor.
In Zürich zählt zur wichtigsten Bekämpfungsmassnahme das regelmässige Ausbringen eines biologischen Wirkstoffes in Dolen, der die Larven der Mücke zerstört. Wenn es heiss ist, geschieht dies einmal pro Woche, ist es kühler, nur alle zwei Wochen. Ausserdem sollen die Tiere am Brüten gehindert werden. Tigermücken legen ihre Eier gerne an den Rand von Astlöchern. Werden diese bei Regen mit Wasser gefüllt, schlüpfen die Larven. Als Brutbekämpfungsmassnahme werden daher beispielsweise Astlöcher mit Sand aufgefüllt.

Wichtige Rolle der Hauseigentümer
Zur Bekämpfung der Tiere ist die Stadt auf ihre Anwohner angewiesen. Hauseigentümer spielen dabei im Kampf gegen die Tigermücke eine wesentliche Rolle. Sie sind aufgefordert, in ihren Gärten mögliche Brutstätten trockenzulegen, also beispielsweise Regentonnen abzudichten sowie Untersetzer und Giesskannen umzudrehen. Denn schon kleinste Wassermengen können zur Vermehrung der Tigermücken beitragen.
Zudem hat die Stadt Zürich hat die Bevölkerung gebeten, Funde von Tigermücken zu melden, wobei bislang keine weitere Tigermücke nachgewiesen wurde. Für die Anwohnerinnen und Anwohner in Wollishofen gibt es nach den Sommerferien eine Informationsveranstaltung.
Es ist unbestritten, dass die Tigermücke den Aufenthalt im eigenen Garten oder im Freien zur Hölle machen kann, weil die hungrigen und blutrünstigen Weibchen während des Tages und der Nacht im Stande sind, wiederholt zu stechen.
Obwohl die Tigermücken tropische Viruserkrankungen übertragen können, besteht laut Stadt Zürich dennoch kein Anlass zur Sorge. Um eine solche Krankheit zu übertragen, müssen die Mücken zuvor eine infizierte Person gestochen haben. Eine lokale Krankheitsübertragung gab es in der Schweiz noch nie.
Natürliche Feinde
Somit erscheint es als wenig wahrscheinlich, dass die Behörden weitere Massnahmen wie etwa die chemische Kastration der Mücken in Zürich anwenden wird.
Am Rande sei schliesslich erwähnt, dass zu den natürlichen Feinden der asiatischen Tigermücke nebst dem Menschen auch Spinnen, Fische, Amphibien und Fledermäuse zählen. Es ist durchaus denkbar, dass letztere sich in Zürich schon jetzt über die Erweiterung ihrer Speisekarte freuen.

Text: Tiziano Winiger
Illustrationen: Nadja Bonacina
Information
Zuständig für die Überwachung und Bekämpfung der Tigermücke in Zürich:
Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich
Schädlingsprävention und -beratung
Walcherstrasse 31
8006 Zürich
044 412 28 38
ugz-schaedlingspraevention@zurich.ch